Ratgeber · Liquidität
13-Wochen-Liquiditätsplanung: Aufbau, Beispiel, Routine
Von Marcello Frisella · 06.11.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz beantwortet
Eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung zeigt Ein- und Auszahlungen und den Kontostand Woche für Woche für ein Quartal. Sie macht Engpässe sichtbar, die eine Monatsplanung verdeckt, etwa wenn Löhne und Umsatzsteuer vor den Kundenzahlungen fällig werden. Aufgebaut wird sie vom aktuellen Kontostand aus, mit sicheren und vorsichtig angesetzten unsicheren Eingängen; fortgeschrieben wird sie jede Woche.
Die 13-Wochen-Liquiditätsplanung ist die Lupe unter den Liquiditätsplänen. Wo die Monatsplanung zeigt, dass der Januar insgesamt aufgeht, zeigt die Wochenplanung, dass am 28. die Löhne fällig sind, die große Kundenzahlung aber erst am 3. des Folgemonats kommt. Genau diese Lücken entscheiden in angespannten Phasen.
Monatsplanung oder 13 Wochen?
| 12-Monats-Planung | 13-Wochen-Planung | |
|---|---|---|
| Raster | Monat | Woche |
| Horizont | ein Jahr | ein Quartal |
| Genauigkeit | Durchschnitte, Annahmen | konkrete Rechnungen und Termine |
| Fortschreibung | monatlich | wöchentlich |
| Zweck | Steuerung, Investitionen, Bank | Engpässe, Krise, Sanierung, Gläubiger |
Die beiden ergänzen sich. Die Monatsplanung beschreibt der Ratgeber Rollierende Liquiditätsplanung; dieser Artikel zeigt die Wochenplanung.
Der Aufbau
Eine 13-Wochen-Planung hat vier Blöcke:
- Ausgangslage: Kontostand aller Geschäftskonten zu Beginn, Kreditlinie, Mindestreserve.
- Einzahlungen je Woche: sichere Kundenzahlungen, unsichere Kundenzahlungen, sonstige Einzahlungen, Finanzierung.
- Auszahlungen je Woche: Lieferanten, Löhne, Sozialversicherung und Lohnsteuer, Miete und Leasing, Umsatzsteuer, sonstige Steuern, Zins und Tilgung, Sonstiges, Entnahmen.
- Ergebnis je Woche: Saldo, Kontostand, verfügbar inklusive Kreditlinie, Ampel.
Sichere und unsichere Eingänge trennen
Der wichtigste Unterschied zur Monatsplanung: Einzahlungen werden nach Sicherheit getrennt.
- Sicher: Rechnung ist gestellt, fällig in dieser Woche, der Kunde zahlt erfahrungsgemäß pünktlich.
- Unsicher: Rechnung noch nicht gestellt, Kunde zahlt oft spät, Betrag strittig, oder ein erwarteter Auftrag.
Unsichere Eingänge werden nur mit einem Anteil angesetzt, zum Beispiel 50 %. So bleibt die Planung vorsichtig, ohne sie komplett zu ignorieren. Die Bank wird ohnehin nachfragen, welche Eingänge gesichert sind.
Die Auszahlungstermine kennen
Viele Auszahlungen haben feste Termine. Wer sie richtig einträgt, hat die halbe Planung fertig:
| Zahlung | typischer Termin |
|---|---|
| Löhne und Gehälter | meist zum Monatsende |
| Sozialversicherungsbeiträge | am drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats fällig |
| Lohnsteuer, Umsatzsteuer-Vorauszahlung | am 10. des Folgemonats (Umsatzsteuer bei Dauerfristverlängerung einen Monat später) |
| Einkommen-, Körperschaft-, Gewerbesteuer-Vorauszahlungen | quartalsweise laut Bescheid |
| Miete, Leasing, Darlehensraten | laut Vertrag, oft zum Monatsanfang |
Lieferantenrechnungen tragen Sie in der Woche der Fälligkeit ein, bei Skonto in der Woche der Skontofrist.
Beispiel: Ein Quartal Woche für Woche
Ein Handwerksbetrieb beginnt das Quartal mit 18.000 € auf dem Konto, 30.000 € Kreditlinie und 10.000 € Mindestreserve. Die Ausschnitte rund um die Lohnwochen:
| Woche | Einzahlungen | Auszahlungen | Saldo | Kontostand | Status |
|---|---|---|---|---|---|
| W1 | 24.000 € | 13.000 € | 11.000 € | 29.000 € | OK |
| W3 | 20.000 € | 6.500 € | 13.500 € | 42.000 € | OK |
| W4 (Löhne, SV) | 18.000 € | 53.000 € | −35.000 € | 7.000 € | unter Reserve |
| W7 | 21.000 € | 12.500 € | 8.500 € | 30.000 € | OK |
| W8 (Löhne, SV) | 17.000 € | 46.000 € | −29.000 € | 1.000 € | unter Reserve |
| W13 (Löhne, SV) | 22.000 € | 45.000 € | −23.000 € | −4.000 € | unter Reserve |
Im Monatsraster sähe jeder Monat unauffällig aus, weil die starken Wochen die Lohnwochen ausgleichen. Im Wochenraster sieht man: Dreimal im Quartal sinkt der Kontostand unter die Reserve, in Woche 13 wird die Kreditlinie mit 4.000 € beansprucht. Das ist beherrschbar, aber nur, wenn man es vorher weiß. Gegenmaßnahmen wären etwa, die große Lieferantenzahlung aus Woche 12 um zwei Wochen zu verschieben oder einen Abschlag vor dem Lohnlauf zu stellen.
Die wöchentliche Routine
- Ist-Kontostand eintragen und mit dem geplanten vergleichen.
- Abweichungen klären: Welche Zahlung kam nicht, welche kam überraschend?
- Neue Termine ergänzen: neue Rechnungen, Mahnungen, Zusagen von Kunden.
- Unsichere Eingänge neu bewerten: sicher geworden, verschoben oder weggefallen?
- Eine Woche weiterschieben, sodass wieder 13 Wochen vor Ihnen liegen.
Zeigt die Planung eine Lücke, die sich nicht schließen lässt, hilft der Ratgeber Liquiditätsengpass: Was tun?. Bei GmbH und UG gilt dann: früh fachlichen Rat holen, denn für Zahlungsunfähigkeit gelten nach § 15a InsO kurze Antragsfristen.
Typische Fehler
- Rechnungsdatum statt Zahlungsdatum. Für die Liquidität zählt der Tag, an dem das Geld fließt.
- Unsichere Eingänge voll ansetzen. Die häufigste Ursache für zu optimistische Wochenpläne.
- Sozialversicherung vergessen. Sie ist vor Monatsende fällig, also oft in derselben Woche wie die Löhne.
- Nur einmal erstellen. Eine 13-Wochen-Planung, die nicht wöchentlich fortgeschrieben wird, ist nach drei Wochen veraltet.
Mit Excel planen
Für den Monatsblick über 12 Monate gibt es die Vorlage Liquiditätsplanung mit Kreditlinie, Mindestreserve und Ampel je Monat. Eine eigene Vorlage für die 13-Wochen-Planung mit sicheren und unsicheren Eingängen, Ampel je Woche und Tiefpunkt-Anzeige erscheint in Kürze und ist im Komplett-Abo enthalten. Den schnellen Überblick gibt bis dahin der kostenlose Rechner Wie lange reicht das Geld?.
Häufige Fragen
Warum 13 Wochen?
13 Wochen entsprechen einem Quartal. Das ist lang genug, um Steuertermine, Lohnläufe und Quartalszahlungen zu erfassen, und kurz genug, um Zahlungen noch einigermaßen genau vorherzusagen.
Wann brauche ich eine 13-Wochen-Planung?
Wenn das Konto innerhalb eines Monats knapp werden kann, in Krisen und Sanierungen, bei Verhandlungen mit der Bank und wenn Gesellschafter oder Gläubiger regelmäßig informiert werden wollen.
Ersetzt sie die 12-Monats-Planung?
Nein. Die 12-Monats-Planung bleibt das Instrument für die längerfristige Steuerung. Die 13-Wochen-Planung kommt in angespannten Phasen dazu.
Wie viel Zeit kostet die wöchentliche Fortschreibung?
Nach der Einrichtung meist 30 bis 60 Minuten pro Woche: Kontostand abgleichen, neue Rechnungen und Termine eintragen, eine Woche anfügen.