Ratgeber · Liquidität
Liquiditätsplan für die Bank: Aufbau, Inhalte, typische Fehler
Von Marcello Frisella · 29.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz beantwortet
Ein Liquiditätsplan für die Bank zeigt für mindestens zwölf Monate alle erwarteten Ein- und Auszahlungen und den Kontostand am Monatsende, einschließlich Zins, Tilgung und Privatentnahmen. Die Bank prüft daran vor allem, ob der Kapitaldienst jederzeit bezahlt werden kann und wie groß der Puffer im schlechtesten Monat ist. Glaubwürdig wird der Plan durch nachvollziehbare Annahmen und ein vorsichtiges Szenario.
Ein Liquiditätsplan für die Bank beantwortet die Frage, die jeder Kreditgeber stellt: Können Sie Zins und Tilgung in jedem Monat bezahlen, auch wenn es schlechter läuft als geplant? Dafür zeigt der Plan für mindestens zwölf Monate alle Zahlungen und den Kontostand am Monatsende, einschließlich des beantragten Kredits.
Dieser Artikel zeigt, worauf Banken achten, wie der Plan aufgebaut ist, wie Sie die Kapitaldienstfähigkeit berechnen und welche Fehler Vertrauen kosten.
Was die Bank am Liquiditätsplan prüft
Die Bank prüft am Liquiditätsplan drei Dinge: Reicht das Geld in jedem Monat, ist der Kapitaldienst tragbar, und sind die Annahmen nachvollziehbar.
| Frage der Bank | Woran sie es erkennt |
|---|---|
| Reicht das Geld jederzeit? | Kontostand am Monatsende, tiefster Punkt, Nutzung der Kreditlinie |
| Kann der Kredit bedient werden? | Zins und Tilgung im Plan, Kapitaldienstfähigkeit |
| Sind die Zahlen realistisch? | Vergleich mit BWA und Vorjahr, Zahlungsziele, Saisonverlauf |
| Kennt die Geschäftsführung ihre Risiken? | Vorsichtiges Szenario, Reserve, Gegenmaßnahmen |
Die IHK formuliert das Ziel so: Der Plan soll zeigen, dass das Unternehmen „JEDERZEIT“ über genügend liquide Mittel verfügt. Ein Jahresüberschuss allein beweist das nicht, denn Gewinn und Geld fallen zeitlich auseinander.
Aufbau: die Zeilen eines bankfähigen Liquiditätsplans
Ein bankfähiger Plan trennt den laufenden Betrieb klar von Finanzierung, Investitionen, Steuern und Entnahmen. So sieht der Leser sofort, ob das Geschäft selbst Geld erwirtschaftet.
| Block | Zeilen |
|---|---|
| Anfangsbestand | Kontostand aller Geschäftskonten zu Beginn |
| Einzahlungen | Zahlungseingänge von Kunden, sonstige Einzahlungen, Kreditauszahlung, Eigenkapital |
| Betriebliche Auszahlungen | Material und Ware, Personal, Miete, Fahrzeuge, Marketing, sonstige Kosten |
| Finanzierung | Zinsen, Tilgung bestehender und neuer Kredite, Leasing |
| Investitionen | Maschinen, Fahrzeuge, Software, Umbau |
| Steuern und Entnahmen | Umsatzsteuer, Ertragsteuer-Vorauszahlungen, Privatentnahmen |
| Ergebnis | Monatssaldo, Kontostand Monatsende, freie Kreditlinie |
Planen Sie Einzahlungen im Monat, in dem das Geld kommt, nicht im Monat der Rechnung. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt der Ratgeber Liquiditätsplanung erstellen.
Kapitaldienstfähigkeit berechnen: ein Rechenbeispiel
Die Kapitaldienstfähigkeit zeigt, ob das laufende Geschäft den Kredit tragen kann. Vereinfacht stellt man den verfügbaren Cashflow dem jährlichen Kapitaldienst gegenüber.
Beispiel: Ein Einzelunternehmer beantragt ein Darlehen über 100.000 € mit 5 Jahren Laufzeit, vierteljährlicher Tilgung von 5.000 € und 5 % Zins.
| Position | Jahr 1 |
|---|---|
| Tilgung (4 × 5.000 €) | 20.000 € |
| Zinsen (5 % p. a. auf 100.000, 95.000, 90.000, 85.000 € je Quartal) | 4.625 € |
| Kapitaldienst | 24.625 € |
Dem steht der Cashflow gegenüber:
| Position | Jahr 1 |
|---|---|
| Gewinn vor Steuern laut Planung | 40.000 € |
| + Abschreibungen (kein Geldabfluss) | 15.000 € |
| = Cashflow vor Entnahmen | 55.000 € |
| − Privatentnahmen inkl. Steuern | 30.000 € |
| = für den Kapitaldienst verfügbar | 25.000 € |
Das Verhältnis liegt bei 25.000 € ÷ 24.625 € ≈ 1,02. Rechnerisch reicht es, aber praktisch ohne Puffer. Ohne die Entnahmen sähe es mit 55.000 € deutlich besser aus. Genau deshalb gehören Privatentnahmen in den Plan: Eine Bank, die sie selbst ergänzen muss, zweifelt an den übrigen Zahlen. Wie viel Puffer eine Bank erwartet, ist von Institut zu Institut verschieden; ein Wert knapp über 1 ist in der Regel zu wenig.
Das vorsichtige Szenario
Ein zweites, vorsichtiges Szenario zeigt der Bank, dass Sie Ihre Risiken kennen. Rechnen Sie zum Beispiel mit:
- 10 bis 20 % weniger Umsatz als im Basisplan,
- Zahlungseingängen einen Monat später,
- einer Kostenposition, die teurer wird, etwa Material oder Energie.
Bleibt der Kontostand auch dann über null oder innerhalb der Kreditlinie, ist das ein starkes Argument. Wird er negativ, nennen Sie die Gegenmaßnahme: geringere Entnahmen, verschobene Investition, Factoring oder eine höhere Linie.
Typische Fehler, die Vertrauen kosten
- Umsatz statt Zahlungseingang. Wer Rechnungen im Rechnungsmonat als Einnahme plant, unterschätzt den Geldbedarf, besonders bei 30 oder 60 Tagen Zahlungsziel.
- Umsatzsteuer fehlt. Zahllast und Vorsteuererstattung verschieben Geld um Wochen. Bei großen Investitionen muss die Vorsteuer bis zur Erstattung vorfinanziert werden.
- Sonderzahlungen vergessen. Versicherungen, Kfz-Steuer, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Jahresabrechnungen fallen nicht gleichmäßig an.
- Keine Verbindung zur BWA. Weichen Plan und letzte BWA deutlich voneinander ab, ohne Erklärung, fragt die Bank nach.
- Kein Startbestand. Der Plan beginnt bei null statt beim tatsächlichen Kontostand.
Liquiditätsplan in Excel für das Bankgespräch
Die Vorlage Liquiditätsplanung ist so aufgebaut, wie Banken es erwarten: laufender Betrieb, Finanzierung und Investitionen, Steuern und Privatentnahmen in getrennten Blöcken, Kontostand und freie Kreditlinie je Monat, eine Ampel und die Kennzahlen tiefster Kontostand und maximale Inanspruchnahme der Linie. Das Blatt ist druckfertig auf einer Seite. Für Gründungen gibt es eine eigene Seite mit Beispiel: Liquiditätsplan für Gründer.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Finanzierungs- oder Steuerberatung. Welche Unterlagen Ihre Bank konkret verlangt, erfahren Sie dort.
Häufige Fragen
Wie weit muss ein Liquiditätsplan für die Bank reichen?
Mindestens zwölf Monate in Monatswerten. Bei Gründungen und größeren Investitionen verlangen Banken häufig einen Finanzplan über drei Jahre, wobei das erste Jahr monatlich und die Folgejahre gröber dargestellt werden.
Was ist die Kapitaldienstfähigkeit?
Die Fähigkeit, Zins und Tilgung aus dem laufenden Geschäft zu bezahlen. Vereinfacht wird der Cashflow (Gewinn plus Abschreibungen, bei Einzelunternehmen abzüglich Privatentnahmen und Steuern) dem jährlichen Kapitaldienst gegenübergestellt.
Soll ich den Plan eher optimistisch oder vorsichtig rechnen?
Vorsichtig. Banken rechnen Pläne ohnehin kritisch nach. Ein realistischer Basisplan plus ein ausdrücklich vorsichtiges Szenario wirkt glaubwürdiger als ein zu guter Plan.
Brutto oder netto?
In der Liquiditätsplanung zählen die tatsächlichen Zahlungen, also Bruttobeträge. Umsatzsteuer-Zahllast oder Erstattung erscheinen als eigene Zeile im Monat der Zahlung.