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Ratgeber · Liquidität

Rollierende Liquiditätsplanung: So bleibt der Plan aktuell

Von Marcello Frisella · 05.11.2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Eine rollierende Liquiditätsplanung wird jeden Monat um einen Monat fortgeschrieben, sodass Sie immer gleich weit, meist 12 Monate, in die Zukunft blicken. Die Routine hat vier Schritte: Ist-Werte des abgelaufenen Monats eintragen, Abweichungen zum Plan erklären, die restlichen Monate mit den neuen Erkenntnissen anpassen und einen neuen Monat am Ende anfügen. Das dauert nach der Einrichtung etwa 30 Minuten im Monat.

Eine rollierende Liquiditätsplanung ist eine Liquiditätsplanung, die nie veraltet: Jeden Monat wird der abgelaufene Monat mit Ist-Werten abgeschlossen und am Ende ein neuer Monat angefügt. So sehen Sie im November genauso weit nach vorn wie im Januar, in der Regel 12 Monate. Wie Sie den ersten Plan aufbauen, steht im Ratgeber Liquiditätsplanung erstellen. Dieser Artikel zeigt die Routine danach.

Warum statisch planen nicht reicht

Ein Plan, der im Januar für das Kalenderjahr erstellt wird, hat zwei Schwächen:

  • Der Horizont schrumpft. Im Oktober reicht er nur noch drei Monate. Gerade der Jahreswechsel mit Weihnachtsgeld, Jahresabrechnungen und schwachem Januar fällt aus dem Blick.
  • Die Annahmen veralten. Ein Großkunde zahlt seit Monaten später, die Materialpreise sind gestiegen, eine Investition wurde verschoben. Ohne Fortschreibung bleibt der Plan bei den Annahmen vom Januar.

Die rollierende Planung löst beides mit einer festen Monatsroutine.

Die Monatsroutine in 4 Schritten

Planen Sie dafür einen festen Termin, zum Beispiel den dritten Werktag des Monats, wenn die Kontoauszüge vollständig sind.

1. Ist-Werte eintragen

Tragen Sie für den abgelaufenen Monat die tatsächlichen Ein- und Auszahlungen in dieselbe Gliederung ein wie den Plan, und den tatsächlichen Kontostand am Monatsende. Quelle sind die Kontoauszüge, nicht die BWA: Die BWA zeigt Erträge und Aufwendungen, nicht Zahlungen.

2. Abweichungen erklären

Vergleichen Sie Plan und Ist je Zeile. Erklären Sie nur Abweichungen über einer Schwelle, etwa 10 % oder 1.000 €. Für jede Abweichung gibt es zwei Fälle:

Art Beispiel Was tun
Zeitverschiebung Kunde zahlt 12.000 € erst im Folgemonat Betrag in den neuen Monat verschieben
Echte Abweichung Material dauerhaft 8 % teurer Annahme für alle Folgemonate anpassen

Die Unterscheidung ist wichtig: Eine Zeitverschiebung verändert nur den Zeitpunkt, eine echte Abweichung die Höhe. Wer beides gleich behandelt, unterschätzt oder überschätzt die Zukunft.

3. Restliche Monate anpassen

Mit den Erkenntnissen aus Schritt 2 passen Sie die verbleibenden Monate an: verschobene Zahlungen umbuchen, neue Aufträge ergänzen, bekannte Termine wie Steuerzahlungen, Tilgungen oder Investitionen prüfen.

4. Neuen Monat anfügen

Der abgelaufene Monat fällt vorn heraus, hinten kommt ein neuer Monat dazu. Für ihn planen Sie auf Basis des Vorjahresmonats und der aktuellen Annahmen. So bleibt der Horizont immer gleich lang.

Beispiel: Ein Monat Fortschreibung

Ein Dienstleister hat für Oktober geplant und prüft Anfang November:

Position Plan Oktober Ist Oktober Abweichung Art
Zahlungseingänge Kunden 52.000 € 40.000 € −12.000 € Zeitverschiebung: Großkunde zahlt im November
Personal −31.000 € −31.000 € 0 € –
Sonstige Auszahlungen −9.000 € −10.200 € −1.200 € echt: Software-Lizenzen teurer
Umsatzsteuer −4.500 € −4.500 € 0 € –
Saldo 7.500 € −5.700 € −13.200 €

Konsequenzen für den Plan:

  • Die 12.000 € des Großkunden werden in den November verschoben. Der November-Saldo steigt um 12.000 €.
  • Die sonstigen Auszahlungen werden ab November um 1.200 € im Monat erhöht. Auf zwölf Monate sind das 14.400 €, die vorher im Plan fehlten.
  • Der Kontostand Ende Oktober liegt 13.200 € unter Plan. Die Ampel für Dezember, den Monat mit Weihnachtsgeld, prüft jetzt, ob die Mindestreserve hält.

Ohne die Fortschreibung hätte der Plan im Dezember 14.400 € zu optimistisch gerechnet und die Verschiebung des Großkunden nicht gezeigt.

Rollierend monatlich und 13 Wochen wöchentlich

Die rollierende Monatsplanung ist das Standardinstrument. In angespannten Phasen reicht sie aber nicht, weil sie innerhalb eines Monats nichts zeigt: Ob die Löhne am 28. bezahlt werden können, bevor die Kundenzahlung am 30. kommt, sieht man nur wochengenau.

Rollierende Monatsplanung 13-Wochen-Planung
Horizont 12 Monate 13 Wochen (ein Quartal)
Raster Monat Woche
Aktualisierung monatlich wöchentlich
Wofür Steuerung, Bank, Investitionen Engpässe, Krise, Sanierung

Wird es eng, laufen beide parallel; wie die Wochenplanung aufgebaut ist, zeigt der Ratgeber 13-Wochen-Liquiditätsplanung. Was in einem akuten Engpass sofort hilft, steht im Ratgeber Liquiditätsengpass: Was tun?.

Typische Fehler bei der rollierenden Planung

  • Nur den Kontostand abgleichen. Wer nur prüft, ob der Endbestand stimmt, übersieht, dass sich zwei Abweichungen gegenseitig aufheben können.
  • Verschiebungen als Verlust buchen. Eine spätere Zahlung ist kein Ausfall. Wird sie gestrichen statt verschoben, ist der Plan zu pessimistisch.
  • Neuen Monat kopieren. Den letzten Monat einfach zu duplizieren übersieht saisonale Effekte. Besser: Vorjahresmonat als Basis.
  • Unregelmäßige Rhythmen. Drei Monate ohne Aktualisierung, dann ein großer Nachtrag: So verliert der Plan seinen Nutzen als Frühwarnsystem.

Rollierend planen mit Excel

Die Vorlage Liquiditätsplanung ist für die rollierende Planung gebaut: Sie wählen den Startmonat, die Vorlage zeigt die nächsten 12 Monate. Kreditlinie, Mindestreserve und eine Ampel je Monat machen sichtbar, wann es eng wird. Für den schnellen Überblick zwischendurch gibt es den kostenlosen Rechner Wie lange reicht das Geld?.

Häufige Fragen

Was bedeutet rollierend?

Der Planungszeitraum wandert mit. Statt einmal im Jahr bis Dezember zu planen, wird jeden Monat ein Monat angefügt. So ist der Horizont im Februar genauso lang wie im Oktober.

Wie oft sollte man die Liquiditätsplanung aktualisieren?

In normalen Zeiten monatlich. Wird es eng, wöchentlich mit einer 13-Wochen-Planung zusätzlich zur Monatsplanung.

Was ist der Unterschied zwischen Plan-Ist-Abweichung und Zeitverschiebung?

Eine Zeitverschiebung ist eine Zahlung, die später kommt als geplant, aber kommt; sie wird in einen späteren Monat umgebucht. Eine echte Abweichung ist eine Zahlung, die anders hoch ausfällt oder ganz ausbleibt; sie verändert die Annahmen für die Zukunft.

Brauche ich dafür eine Software?

Nein. Eine Excel-Vorlage mit wählbarem Startmonat reicht für die meisten kleinen Unternehmen, solange die Routine regelmäßig stattfindet.

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