Ratgeber · Kalkulation
Stundensatz im Handwerk kalkulieren: Schritt für Schritt
Von Marcello Frisella · 07.11.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz beantwortet
Der Stundenverrechnungssatz im Handwerk ergibt sich aus den Lohnkosten je produktiver Stunde plus den Gemeinkosten je produktiver Stunde plus einem Zuschlag für Wagnis und Gewinn. Der wichtigste und am häufigsten falsch angesetzte Wert sind die produktiven Stunden: Von rund 1.700 bezahlten Anwesenheitsstunden eines Gesellen sind nach Fahrten, Werkstatt und Verwaltung oft nur etwa 1.200 bis 1.400 abrechenbar.
Den Stundensatz im Handwerk kalkulieren heißt, eine Frage ehrlich zu beantworten: Was kostet eine Stunde, die Sie einem Kunden in Rechnung stellen können? Die meisten zu niedrigen Stundensätze entstehen nicht durch falsche Kosten, sondern durch zu viele angenommene Stunden. Dieser Artikel rechnet einen Betrieb mit fünf Gesellen Schritt für Schritt durch. Eine kurze Übersicht mit Beispiel finden Sie auf der Seite Stundensatz und Angebotspreis im Handwerk, einen schnellen Check im kostenlosen Stundensatz-Rechner.
Schritt 1: Anwesenheitsstunden ermitteln
Ausgangspunkt ist nicht die vertragliche Arbeitszeit, sondern die Zeit, die ein Mitarbeiter tatsächlich im Betrieb ist.
| Position | Tage |
|---|---|
| Kalendertage | 365 |
| − Wochenenden | 104 |
| − Feiertage (je nach Bundesland) | 10 |
| − Urlaub | 28 |
| − Krankheit (Erfahrungswert) | 8 |
| = Anwesenheitstage | 215 |
| × 8 Stunden | 1.720 Stunden |
Schritt 2: Produktive Stunden berechnen
Nicht jede Anwesenheitsstunde lässt sich abrechnen. Fahrten zur Baustelle (sofern nicht separat berechnet), Material holen, Werkstattarbeit, Aufräumen, Besprechungen und Nacharbeit bei Reklamationen gehen ab.
Produktive Stunden = Anwesenheitsstunden × Anteil abrechenbarer Zeit
Bei 80 % abrechenbarer Zeit: 1.720 × 0,80 = 1.376 produktive Stunden je Geselle. Bei fünf Gesellen sind das 6.880 Stunden im Jahr. Den Anteil ermitteln Sie am besten aus Ihrer Zeiterfassung: abgerechnete Stunden geteilt durch bezahlte Stunden.
Schritt 3: Lohnkosten je produktiver Stunde
Zu den Lohnkosten gehören neben dem Bruttolohn auch Sonderzahlungen und die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung inklusive Umlagen und Berufsgenossenschaft.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Bruttolohn 3.300 € × 13 (inkl. Weihnachtsgeld) | 42.900 € |
| + Arbeitgeberanteile und BG (Annahme 22 %) | 9.438 € |
| = Lohnkosten je Geselle und Jahr | 52.338 € |
| ÷ 1.376 produktive Stunden | 38,04 € je Stunde |
Der Arbeitgeberanteil von 22 % ist ein Richtwert; Ihren genauen Satz erfahren Sie von Lohnbüro oder Steuerberater. Für die Planung der gesamten Personalkosten über das Jahr erscheint in Kürze eine eigene Vorlage im Komplett-Abo.
Schritt 4: Gemeinkosten je produktiver Stunde
Gemeinkosten sind alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden:
| Gemeinkosten pro Jahr | Betrag |
|---|---|
| Werkstatt und Lager (Miete, Energie) | 24.000 € |
| Fahrzeuge (Leasing, Kraftstoff, Versicherung) | 30.000 € |
| Versicherungen und Beiträge | 6.000 € |
| Büro, Software, Telefon | 9.000 € |
| Meister/Inhaber, nicht abrechenbarer Anteil | 60.000 € |
| Sonstiges (Werkzeug, Weiterbildung, Werbung) | 11.000 € |
| Summe | 140.000 € |
140.000 € ÷ 6.880 produktive Stunden = 20,35 € je Stunde.
Schritt 5: Stundensatz mit Wagnis und Gewinn
| Position | je Stunde |
|---|---|
| Lohnkosten | 38,04 € |
| + Gemeinkosten | 20,35 € |
| = Selbstkosten | 58,39 € |
| + Wagnis und Gewinn 12 % | 7,00 € |
| = Stundenverrechnungssatz netto | 65,39 € |
| + Umsatzsteuer 19 % | 12,43 € |
| = Stundensatz brutto | 77,82 € |
Der Zuschlag für Wagnis und Gewinn ist kein Luxus. Er deckt Gewährleistungsfälle, Zahlungsausfälle und die Investitionen der nächsten Jahre.
Wie stark die produktiven Stunden wirken
Sinkt der abrechenbare Anteil von 80 % auf 70 %, also 1.204 statt 1.376 Stunden, steigt der nötige Stundensatz bei gleichen Kosten von 65,39 € auf 74,73 €. Zehn Prozentpunkte weniger Produktivität kosten über 9 € je Stunde. Wer seine Stunden zu optimistisch ansetzt, kalkuliert jeden Auftrag zu billig, und merkt es erst im Jahresabschluss.
Vom Stundensatz zum Angebotspreis
Ein Auftrag mit geschätzt 24 Stunden und Material für 1.800 € Einkaufspreis:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Lohn: 24 Std. × 65,39 € | 1.569,39 € |
| Material 1.800 € + 15 % Materialzuschlag | 2.070,00 € |
| Angebotspreis netto | 3.639,39 € |
| + Umsatzsteuer 19 % | 691,48 € |
| Angebotspreis brutto | 4.330,88 € |
Wie Zuschläge auf Material und Lohn im Detail funktionieren, zeigt der Ratgeber Zuschlagskalkulation. Ob der Betrieb mit diesen Preisen insgesamt genug umsetzt, beantwortet der Break-even-Point.
Typische Fehler
- Mit 2.000 Stunden rechnen. Die vertragliche Jahresarbeitszeit ist keine Grundlage für den Stundensatz.
- Unternehmerlohn vergessen. Bei Einzelunternehmen erscheint kein Gehalt des Inhabers in der BWA. Sein Lebensunterhalt muss trotzdem verdient werden.
- Am Wettbewerb orientieren. Der Wettbewerber hat andere Kosten. Ihr Stundensatz muss Ihre Kosten decken.
- Material ohne Zuschlag weitergeben. Dann bezahlt der Lohn die Materiallogistik mit.
- Einmal rechnen, nie wieder. Lohnerhöhungen und Fahrzeugkosten verändern den Satz jedes Jahr.
In Excel kalkulieren
Die Vorlage Preiskalkulation & Break-even enthält die Zuschlagskalkulation mit Material- und Fertigungsgemeinkosten, Wagnis und Gewinn sowie eine Break-even-Analyse für den ganzen Betrieb. Sie tragen Ihre Kosten ein, Stundensatz, Angebotspreis und Mindestumsatz werden automatisch berechnet.
Häufige Fragen
Wie viele produktive Stunden hat ein Handwerker im Jahr?
Das hängt vom Betrieb ab. Ausgehend von rund 1.700 Anwesenheitsstunden bleiben nach Fahrzeiten, Werkstatt, Aufräumen und Verwaltung häufig 70 bis 85 % abrechenbar, also etwa 1.200 bis 1.450 Stunden. Die beste Grundlage ist Ihre eigene Zeiterfassung.
Gehört der Meister in die produktiven Stunden?
Nur mit den Stunden, die er tatsächlich auf Baustellen abrechnet. Die übrige Zeit für Angebote, Einkauf und Büro gehört in die Gemeinkosten, ebenso ein kalkulatorischer Unternehmerlohn bei Einzelunternehmen.
Muss Material einen Zuschlag bekommen?
Ja. Einkauf, Lagerung, Verschnitt, Transport und das Risiko bei Reklamationen kosten Geld. Ohne Materialzuschlag subventioniert der Lohn das Material.
Wie oft sollte der Stundensatz neu berechnet werden?
Mindestens einmal im Jahr und bei jeder größeren Kostenänderung, etwa nach Tariferhöhungen, neuen Fahrzeugen oder steigenden Mieten.