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Ratgeber · Kennzahlen

Rohertragsquote berechnen und richtig bewerten

Von Marcello Frisella · 29.10.2026 · 3 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Die Rohertragsquote ist der Rohertrag im Verhältnis zum Umsatz: (Umsatz − Wareneinsatz) ÷ Umsatz. Sie zeigt, wie viel Prozent jedes Umsatz-Euros nach Abzug der Waren- oder Materialkosten übrig bleibt, um Personal, Miete und alle übrigen Kosten zu decken. Wichtig ist, mit dem Wareneinsatz und nicht mit dem Wareneinkauf zu rechnen.

Die Rohertragsquote berechnen Sie, indem Sie den Rohertrag durch den Umsatz teilen. Der Rohertrag ist Umsatz minus Wareneinsatz. Eine Rohertragsquote von 40 % heißt: Von jedem Euro Umsatz bleiben 40 Cent, um Personal, Miete, Fahrzeuge und den Gewinn zu bezahlen.

Die Kennzahl gehört zu den wichtigsten im Handel, in der Produktion und im Handwerk, weil sie früh zeigt, ob Einkaufspreise, Verkaufspreise und Sortiment zusammenpassen.

Die Formel

Rohertrag = Umsatz − Wareneinsatz

Rohertragsquote = Rohertrag ÷ Umsatz × 100

In der BWA nach DATEV finden Sie beide Werte direkt: Unter den Umsatzerlösen beziehungsweise der Gesamtleistung steht der Material- und Wareneinkauf, darunter der Rohertrag. Bei Herstellern heißt die Basis oft Gesamtleistung, weil Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen dazugehören.

Rechenbeispiel

Ein Fachhändler hat im Monat folgende Zahlen:

Position Betrag
Umsatz (netto) 85.000 €
Wareneinkauf 60.000 €
Lageraufbau (mehr Ware am Monatsende als am Anfang) 9.000 €
Wareneinsatz (60.000 € − 9.000 €) 51.000 €
Rohertrag (85.000 € − 51.000 €) 34.000 €
Rohertragsquote (34.000 € ÷ 85.000 €) 40,0 %

Hätte der Händler einfach den Wareneinkauf abgezogen, käme er auf 25.000 € Rohertrag und eine Quote von 29,4 %. Ein Unterschied von über zehn Prozentpunkten, nur weil Ware für den nächsten Monat eingekauft wurde.

Der häufigste Fehler: Einkauf statt Einsatz

Viele kleinere Unternehmen buchen Wareneinkäufe direkt als Aufwand und erfassen den Lagerbestand nur zum Jahresende. Dann schwankt die Rohertragsquote in der monatlichen BWA stark, je nachdem, wann eingekauft wurde.

Abhilfe:

  • Monatliche Bestandsveränderung. Mit Ihrem Steuerberater klären, ob Bestände monatlich oder quartalsweise geschätzt und gebucht werden können.
  • Kumuliert lesen. Der Year-to-date-Wert gleicht Einkaufsspitzen aus und ist verlässlicher als ein einzelner Monat.
  • Pauschal korrigieren. Für die eigene Steuerung reicht es oft, den Wareneinsatz mit der langjährigen Quote zu schätzen und zum Jahresende abzugleichen.

Rohertrag, Deckungsbeitrag, Handelsspanne: die Unterschiede

Kennzahl Formel Wofür
Rohertragsquote (Umsatz − Wareneinsatz) ÷ Umsatz Gesamtunternehmen, aus der BWA
Deckungsbeitrag Umsatz − alle variablen Kosten Produkte, Aufträge, Preisentscheidungen
Handelsspanne (Verkaufspreis − Einstandspreis) ÷ Verkaufspreis einzelner Artikel
Kalkulationsaufschlag (Verkaufspreis − Einstandspreis) ÷ Einstandspreis Preisbildung im Handel

Achtung bei Spanne und Aufschlag: Eine Spanne von 40 % entspricht einem Aufschlag von 66,7 % auf den Einstandspreis (40 ÷ 60). Wer „40 % aufschlägt“, erzielt nur 28,6 % Spanne (40 ÷ 140). Die Verwechslung kostet in der Praxis viel Geld.

Was eine sinkende Rohertragsquote bedeutet

Sinkt die Rohertragsquote über mehrere Monate, hat das fast immer eine dieser Ursachen:

  1. Einkaufspreise gestiegen, Verkaufspreise nicht angepasst. Der häufigste Fall in Zeiten steigender Kosten.
  2. Rabatte und Aktionen. Mehr Umsatz mit schlechterer Marge.
  3. Sortimentsverschiebung. Kunden kaufen mehr margenschwache Produkte.
  4. Schwund, Verderb, Abschriften. Ware wird eingekauft, aber nicht verkauft.
  5. Buchungseffekte. Lagerbestand nicht berücksichtigt, siehe oben.

Ein Prozentpunkt Rohertragsquote ist mehr, als er klingt: Bei 1 Mio. € Jahresumsatz sind das 10.000 € Ergebnis, die direkt fehlen oder dazukommen.

Rohertragsquote verbessern

  • Preise regelmäßig gegen die Einkaufspreise prüfen, siehe Zuschlagskalkulation.
  • Rabatte begrenzen und deren Wirkung auf den Break-even kennen.
  • Sortiment nach Deckungsbeitrag sortieren und schwache Artikel ersetzen.
  • Einkaufskonditionen bündeln, Skonto ziehen.
  • Inventurdifferenzen und Schwund auswerten.

Rohertragsquote im KPI-Dashboard verfolgen

Eine einzelne Monatszahl sagt wenig, der Verlauf viel. Das KPI-Dashboard berechnet die Rohertragsquote jeden Monat aus Ihren BWA-Werten, vergleicht sie mit Vormonat und Zielwert in Prozentpunkten und zeigt eine Ampel. Dazu kommen neun weitere Kennzahlen wie Personalkostenquote, EBIT-Marge und Forderungslaufzeit, alle auf einer Seite. Mehr zur Auswahl der richtigen Kennzahlen steht im Ratgeber KPI für kleine Unternehmen.

Häufige Fragen

Wie berechnet man die Rohertragsquote?

Rohertragsquote = (Umsatz − Wareneinsatz) ÷ Umsatz × 100. Bei 85.000 € Umsatz und 51.000 € Wareneinsatz ergibt sich (85.000 − 51.000) ÷ 85.000 = 40 %.

Was ist der Unterschied zwischen Wareneinkauf und Wareneinsatz?

Wareneinkauf ist, was Sie im Zeitraum gekauft haben. Wareneinsatz ist, was Sie tatsächlich verkauft oder verbraucht haben: Wareneinkauf plus Lagerabbau oder minus Lageraufbau. Nur der Wareneinsatz passt zum Umsatz derselben Periode.

Ist Rohertrag dasselbe wie Deckungsbeitrag?

Im Handel oft fast. Der Deckungsbeitrag zieht aber alle variablen Kosten ab, also auch Versand, Verpackung oder Provisionen. Der Rohertrag zieht nur Waren- und Materialkosten ab.

Welche Rohertragsquote ist gut?

Das hängt stark von Branche und Geschäftsmodell ab. Aussagekräftiger als eine allgemeine Zahl sind Ihr eigener Verlauf über die Monate und ein Branchenvergleich, den Steuerberater zum Beispiel über Betriebsvergleiche bereitstellen können.

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